becoming a computer & how to unlearn it
Die Rolle der Schönheit in der postindustriellen Architekturproduktion
Die vorliegende Arbeit lässt sich als Diskursanalyse der Architekturdebatte von der Industriellen Revolution bis zur Digitalen Wende begreifen. Es entstand eine analoge Datensammlung in Buchform, wobei sich erst durch den reflexiven Akt des Handschreibens und Lesens ein neues Narrativ entfaltet. Aus der Verflechtung und Gegenüberstellung diverser Aussagen entfaltet sich eine zeitgenössische Positionierung gegenüber der Frage, was Architektur abseits der Erfüllung von quantifizierbaren Vorgaben leisten kann und sollte. Dabei werden herkömmliche Entwurfsparameter hinterfragt und ergänzt. Ausgangspunkt der Arbeit war die statistisch nachweisbare Unzufriedenheit breiter Nutzergruppen mit zeitgenössischer Architektur. Der populären Frage, warum neue Architektur „so hässlich“ sei, wird auf verschiedenen gesellschaftspolitischen Ebenen nachgegangen, die sich in der Architektur abbilden. Dazu zählen beispielsweise die Mechanisierung der Produktion durch die Industrialisierung, die Entwicklung zum liberalen Kapitalismus und die Digitalisierung von Entwurfswerkzeugen seit den 1990er Jahren, die zu einer Art Hyperrationalisierung in der momentanen Architekturproduktion führten. Der Philosoph Immanuel Kant definierte Schönheit als Gefühl des Betrachters. Erst die Auflösung von sexistischen Narrativen, die in der Moderne wurzeln und reinen Funktionalismus statt menschenfreundliche Räume propagieren, ermöglicht neue Freiheiten: Wenn das subjektive Empfinden wieder seinen Wert erhält, wird eine Architektur gelingen, in der sich der Mensch als Ganzes wohlfühlt. In enger Verknüpfung mit der theoretisch-wissenschaftlichen Arbeit entstand eine raumgreifende Kunstinstallation, die die Rolle der Architekt:in performativ beleuchtet. Von der schriftlichen Arbeit existieren ein handgeschriebenes Original und sieben nummerierte physische Kopien auf 80g Papier.