Peter G. Auer

Ass.Prof. Dipl.-Ing. Dr.techn.

Geboren 1955 in Annaberg, Salzburg. Studium der Architektur an der Technischen Universität in Wien, Fakultät für Architektur und Raumplanung. Promotion mit einer architekturtheoretischen Arbeit zu Weg- und Zeitkonzepten in der Architektur. Seit 1995 Universitätsassistent am Institut für Kunst und Gestaltung an der TU Wien.

  • objektorientierte Ontologie von architektonischen und künstlerischen Manifestationen und Design-dingen
  • formale und raum-zeitliche Bestimmungen von Artefakten
  • dialektische und materialistische Aspekte des Formgebens und Formnehmens
  • Realität und Konkretion ästhetischer Konfigurationen durch Individuation und Produktion

Im Werkzeugkasten sind viele Dinge. Hammer, Bohrer, Bleistift, Nagel, Schraube, Zange, Rollmass usw. Zur Realität dieser Dinge gehört eine kaum hintergehbare Vergegenwärtigung ihres Sinns, die zu spürbaren, synästhetischen Affektionen meines Körpers führt: kaum hab ich den Hammer gesehen, spür ich wie sich nicht nur meine Hand sondern mein ganzer Arm darauf einstellt: eine Gewissheit seiner richtigen räumlichen Lage, eine Vorbereitung der Muskelspannung, kleine Taktilitäts-Schauer als Vorboten einer in Kürze stattfindenen Berührung stellen sich ein, stimmen mich wie ein Instrument. Ich bin auf direkte, sinnliche Weise mit dem Hammer strukturell gekoppelt. Der Hammer liefert seine Methode gleich mit, und stellt weitere Beteiligte vor.

Seh ich den Hammer, seh ich den Nagel und das Holz, hör ich den Schlag und das in immer hellere Kadenzen hinauftreibende Singen des Nagels ins Holz hinein. Gleichzeitig schlägt, mit jedem Schlag, die Welt des Scheitens auf, ich seh und spür die kleine Schlagabweichung und das Biegen und Sich-Legen des Nagels, ein Abgesang. In der Werkzeugkistenwelt, die eine Region der Herstellungswelt ist, gibt es diese Methode durch den Hammer, gibt es eine andere durch die Zange, eine andere wiederum durch das Rollmass. Um die eigentliche Methode des Hammers zu brechen, d.h. sich ihrer bewußt zu werden, muss sich auch die Welt ändern, in der er selbstverständlich erscheint. Solange der Hammer funktioniert fällt er mir gar nicht auf, sondern nur, wie von selbst, in die Hände. Er muss versagen, brechen, damit er, in einem plötzlichen Akt der Besonderung, als Hammer-Objekt erscheint, in den Begriffen Heideggers: sein Zuhandensein wird bloßes Vorhandensein.  Beides sind Aspekte, reduzierte Hinblicke, die an die Realität des Objekts an sich, an das Hammerhafte am Hammer nicht, möglicherweise nie, herankommen.

Man könnte geneigt sein, Architektur mit dem Hammer zu vergleichen, sie, wohlgemerkt in reduktiver Absicht, als Kippfigur zu sehen. In dieser Hinsicht bildet sie auf der einen Seite, ganz unauffällig, für Menschen, Kühlschränke, Haushaltsroboter, Spinnweben, Katzen, Lurch, Bioabfall, Computer, Zahnbürsten, Bodylotions, Bücher, Licht, Luft, Witterung usw. eine alltägliche Lebenswelt permanenter Begegnung und Aktion. Auf der anderen Seite macht sie, in Verneinung der Zuhandenheits-Welt und auf Grundlage von Ideologien der Besonderung als Architektur ganz eigentlich klar, dass das Architekturhafte an Architektur möglicherweise nicht oder nur auf Grund unangemessener Reduktion in ihrer Dienlichkeit oder Funktion liegt: funktioniert sie tatsächlich, verschwindet sie, funktioniert sie nicht, erscheint sie.

„Zur Dynamik der Spiralform“, in: Inst. f. Künstl. Gest.TU-Wien [Hg.] (1997): Ausschnitt02, Hefte zu Themen des Plastischen Gestaltens, Hrsg.:, Wien 1997, S. 3-6

„o.T.“, in: Welte, Fridolin [Hg.] (1998): Arbeitsbuch. Wien, S. 7-14

„AUSSEN:INNEN:AUSSEN“, in: Welte, Fridolin [Hg.](1998): Arbeitsbuch. Wien, S. 55-68

„Außen:Innen:Außen“, Text zu einer Arbeit von Fridolin Welte, erschienen in: proHolz Austria [Hg.] (2004):  Zuschnitt 13, März 2004 (Wien), S. 28

„an_arch. Skizzen zu/r Architektur-Ontologie/n“, in: Fiel, Wolfgang [Hg.] (2007): Belringer, Berlinger, Fiel: Tat Ort, Inwendig (Wien; New York: Springer), S. 1-10

„aufs Ganze: zur Ontologie von Schulze-Fielitzs Raumstadt und Metaeder“, in: Wolfgang Fiel [Hg.] (2010): Eckhard Schulze-Fielitz: Metasprache des Raums (Wien; New York: Springer), S. 88-101
Peter Auer

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